Hühner beziehen ihre neue Unterkunft bei der Lebenshilfe in Grevenbroich- Gustorf

Seit fünf Jahren lasse ich immer im Frühjahr, während der Brutsaison, Küken in den verschiedensten Einrichtungen wie z.B. Kindergärten und Schulen schlüpfen.

 

Zum einen dient es der Öffentlichkeitsarbeit und zum anderen, um den Kindern ein Stück Natur näher zu bringen.  Damit die Kinder auch wissen, woher diese Eier und später die Küken stammen, wird eine kindgerechte Tierbesprechung durchgeführt. Zu diesem Zweck nehme ich dann die Elterntiere der Küken mit – denn zu unserer alljährlichen Ausstellung ist das  Ereignis des Kükenschlupfes ein Magnet für junge und auch ältere Besucher.

 

Nun arbeite ich schon zwölf Jahre als Betreuer bei der Lebenshilfe, aber ich bin nie auf die Idee gekommen, dass ich mal den Schaubrüter  ( zum Kükenschlupf ) in unserem Wohnhaus aufstellen könnte.

 

Als mich nun Kollegen auf diese Idee brachten, stimmte ich dem sofort zu, und nach einigen Vorbereitungen war der Schaubrüter aufgestellt. Da staunten nicht nur unsere Bewohner.  Selbst das Betreuungspersonal, die Reinigungskräfte und der Wohnhausleiter hatten so ein Gerät noch nie gesehen. Am nächsten Tag, als der Brüter nun die gewünschte Temperatur hatte, habe ich die befruchteten  Bruteier mitgebracht und eingelegt.

 

Von nun an drehte sich alles um den Schaubrüter und die eingelegten Eier. Keiner der Bewohner wollte seinen alltäglichen Tagesablauf fortsetzen, es drehte sich alles um die Bruteier. Selbst zu den Mahlzeiten musste mancher Bewohner mehrmals aufgefordert werden um zum Essen zu kommen und sich kurz vom Brüter wegzubewegen.

 

Dann war es soweit! Die ersten Eier bewegten sich und etwas später waren sie angepickt. Da stand das komplette Wohnhaus Kopf.  Auf allen Wohngruppen wurde Bescheid gegeben und alle kamen in den Saal gestürmt.  Jetzt war der Brüter zu klein. Denn da alle etwas sehen wollten, herrschte ein riesiges Gedränge. Immer wieder mussten die Betreuer den regen Verkehr an dem Gerät regeln. 

Als nun alle Küken geschlüpft und trocken waren, wollte sie auch jeder einmal anfassen um zu fühlen, wie sich ein so kleines Tier anfühlt. Selbst Bewohner, die in ihrem alltäglichen Leben etwas rau sind, zeigten ihren weichen Kern.

 

Danach sollte es aber dann für die Küken nach Hause gehen, wo schon die warme Kükenaufzuchtbox wartete.

 

 

Aber jetzt kam das größte Problem. Mit den Küken unter dem Arm wollte ich das Wohnhaus verlassen. Aber an der Eingangstür standen ein paar Bewohner, welche die Küken nicht so einfach hergeben wollten. Ich erklärte ihnen, dass die Küken nun unter eine Wärmelampe müssen damit sie es warm haben um wachsen zu können. Es folgte ein langes hin und her, jedoch kamen wir zu keinem Ergebnis. Also habe ich ihnen versprochen,  dass wir gemeinsam einen Hühnerstall und einen dazugehörigen Auslauf bauen werden. Wenn wir das erledigt hätten, würde ich auch ein paar ausgewachsene Tiere mitbringen.

 

Der Sommer kam und es ging los. Eine Gruppe von Bewohnern ist mit mir zusammen zum Baumarkt gefahren  um die Materialien für unser Vorhaben zu kaufen. Andere Bewohner haben die Bretter für den Stall gestrichen und beim Aufbau geholfen. Der Rest wurde von einem „Ehrenamtler“ ( Herrn Pläne ), dem Hausmeisterteam (Willi und Franz), der Bauaufsicht ( Käthe und Wohnhausleitung) und von mir erledigt. 

 

Und hier jetzt der Aufbau des Hühnerhäuschens.

Auf dieser Seite befindet sich eine große Plexiglasscheibe, wo durch die Bewohner die Hühner bei ihren Aktivitäten im Inneren des Stalls beobachten können.

An der Vorderseite befindet sich ein großes Schlupfloch

Eine Bewohnerin bei der Kontrolle des Aufbaus  

Ehrenämter und ich beim Zusammenbau der Dachkonstruktion   

Wegen der schlechten Wetterverhältnisse während des Spätsommers bauten wir das Oberteil  im Keller des Wohnhauses auf. Der Boden des Stalls ist eine große Palette, welche auf Mauersteinen im Garten steht. Auf diese Palette haben wir eine Siebdruckplatte geschraubt. Durch diesen Untergrund ist der Stall für die Bewohner einfacher zu reinigen. 

 

Nachdem dann das Wetter sich gebessert hatte, haben wir das Häuschen auf die Wiese gestellt. 

Am Stall wurde ein Drahtgitter angebracht, welches für die Bewohner einfach zu öffnen ist. 

Am Stall befinden sich zwei Türen. An jeder Tür sind von innen jeweils ein Futter- und Wassertrog aus Edelstahl befestigt, so dass auch Rollstuhlfahrer bei der Futter- und Wassergabe keine Probleme haben. Es ist auch praktisch für die Reinigung des Stalls, da man mit einem Handbesen alle Ecken erreicht. 

Als nun der komplette Stall aufgebaut war musste ich Käthe alles erklären, so dass sie sich selbst ein Bild von dem Stall machen konnte. 

Mit Pauken und Trompeten sind am nächsten Tag zwei rebhuhnfarbig - gebänderte Brahmahennen eingezogen. Drei Tage später bekam ich von der Zuchtgemeinschaft Wesp/ Klatt aus Darmstadt eine blaue und eine schwarze Cochinhenne als Geschenk für unsere Bewohner und zum guten Schluss ist eine gelb- schwarzcolumbia Brahmahenne hinzugekommen, damit es auch farblich eine bunte Gemeinschaft ist.  

Auf dem Bild sieht man die Geflügel-Bewohner der neuen Unterkunft.

Bis zum Stall und um den kompletten Stall herum wird noch ein Weg gepflastert, so dass er für die Bewohner einfacher zu erreichen ist. 

Am Anfang sind die Bewohner bei der Fütterung und Reinigung durch die Betreuer begleitet worden, doch schon jetzt gibt es Schüler der Fachschule für Heilerziehungspflege, welche Übungsstunden für ihre Ausbildung über dieses Projekt halten und somit die Bewohner begleiten.

Viele Eltern  und Verwandte der Bewohner halten diese Arbeit für eine sinnvolle Sache, da es etwas ist was mit der Natur zu tun hat. Wichtig ist, dass auch der soziale Kontakt der Bewohner untereinander verstärkt wird, damit es eine starke Gemeinschaft bleibt oder entsteht.

Auch ist der Kontakt zu den Mitbürgern des Ortes gestiegen, da viele regelmäßig vorbeikommen um nach den Hühnern zu schauen und somit immer ein Gespräch entsteht. 

Selbst bei Schnee und Eis scheuen weder Bewohner noch Betreuer  die wöchentliche Reinigung des Hühner-Stalles.

Seit einigen Jahren fertigen die Bewohner des Wohnhauses in einem Töpferkurs für die Rassegeflügelausstellung unseres Rassegeflügelzuchtvereins „Edle-Zucht“ Hückelhoven Ehrenpreise aus Ton an. In der ersten Zeit wurden diese Unikate auf unserer Ausstellung nicht so recht anerkannt, da sie sehr schlicht und einfach erscheinen. Heute zählen sie zu den wertvollsten Preisen.

Doch schon jetzt gibt  es andere Vereine, welche Ehrenpreise für ihre Ausstellung bestellt haben.

Ehrenteller, Ehrenkrüge und Geflügelfiguren aus Ton, welche von den Bewohnern angefertigt worden sind.

Zum Anfang des Jahres gibt der Rassegeflügelverein natürlich auch eine Spende für den Töpferkurs. Des Weiteren machen wir auf unseren Ausstellungen einen Basar mit gefertigten Tonfiguren, um die Kasse des Töpferkurses aufzubessern. Von diesem Geld werden dann Giesformen zur Herstellung von Tonfiguren, aber auch andere Gebrauchsgegenstände , zum Beispiel Süßigkeiten – die es ja nicht immer gibt auf dem Speiseplan – gekauft.

Alljährlich besuchen die Bewohner unsere Geflügel-Ausstellung in Brachelen, auf die sie sich das ganze Jahr über schon freuen. Dann wird zuerst ein Rundgang durch die Käfigreihen gemacht und danach werden sie  zu Kaffee und Kuchen von den Frauen der Vereinsmitglieder eingeladen und verwöhnt.

 

Der krönende Abschluss eines Jahres!!!!

Obwohl immer die Rede von einem Projekt aufkommt, sehe ich es als Normalität des alltäglichen Lebens an, da jeder Mensch sich in seiner privaten Umbebung Haustiere hält.

 

Schon jetzt freue ich mich auf den Kükenschlupf im Frühjahr 2011 im Wohnhaus- Gustorf.

 

Informationen über andere Projekte gibt es unter www.edle-zucht.jimdo.com / Öffentlichkeitsarbeit.

Guido Beirowski

Hauptstraße 72

41836 Brachelen

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